- Texte, Gedanken
 
 
Texte, Gedanken, Gedichte

ich will dich nicht jede stunde ....
säumig, wie immer, dein lächeln. zu spät und dann nur halb, eigentlich gar nicht. und ständig bemüht seinen auftritt nicht zu verpassen. es hält nicht, was es verspricht. oder versprach. damals im mai. auf dem hochzeitsbild ganz in weiß. ich hätte in schwarz heiraten sollen. warum noch niemand auf diese idee gekommen ist. weiß hält sich nicht. es wird ausgebleicht von der sonne, ausgezehrt von wind und wetter und jede kleinigkeit schlägt sich zu buche. sichtbar. deutlich. anklagend. eine landkarte ist dieses weiß. eine grauenhafte landkarte: gräben, schluchten, wind und wellen, dreck und gestank. die blumen sind längst verrottet und die sonne suhlt sich im morast. schwarz würde nicht so verkommen. schwarz verschluckt die schatten. zumindest hätte man die chance so zu tun, als ob man blind wäre. aber weiß … weiß. dein blick hängt träge in seiner hängematte und verschläft meine gedanken. warum bin ich immer noch da? ich hasse es. ich hasse mich, meine unfertigkeit. meine sucht nach dir und deiner aufmerksamkeit. immer suche ich dich. immer brauche ich dich. ich will das nicht. nicht mehr. verdammt: ich will dich nicht jede stunde brauchen müssen. dein lächeln friert, nimmt den mantel, zieht den hut. mühsam hinkt es am stock und sich selbst hinterher …
verquert hat es sich das wort das
sich festsaugt an meiner zunge sich
auf und abbaut am
speichel sich betrinkt mit
körpersäften verkehrt wolllüstig die
beine breit macht für den spagat von
meinem seelenzipfel zu deinem blick am
anderen ende des tisches dein
ohr unter den wortröcken haftet
an venus und muschel zarte
fäden das netz löst
das rätsel

zwei lichter im traum in einem gesicht augen
gerichtet ein zweites gesicht die
katze umschmeichelt die wange das ohr engelhaft
zwei augenlichter unbehauen das tor im
nacken die katze faucht auf teufel komm rein der
himmel kann warten im traum zwei lichter
das zweite gesicht im spiegel ein
lächeln verdeckt sich und
bricht

wasser bricht
nicht nicht wenn es fließt
wie die worte worte wie wasser
oder wie vater immer sagte ruhe
will ich einfach ruhe
wasser bricht die stille
das wort spießt den gedanken
fluss gevierteilt geteert entehrt
wasser bricht niemals
lautlos den bann

die schwarze luft schluckt alles
alles sind wir alles vögel
zwitschern lange vor sonnenaufgang
nachts sind alle küsse
grau namenlos die hände
handverlesen die frau
alles bin ich alles
spürt der wind dass er weht
nachts sind alle küsse grau
deiner fehlt

rote lichter rechts links weiß kolonnen
wälzen die nacht zu tode teilen bäume
straßenbreit scheibenwischer im takt
unerbittlich wie kommt der sand in die
uhr das letzte körnchen nicht morgen
jetzt die zeit tropft blutleer über
asphalt und stein geborgte hoffnung
am kreuz weiß und endgültig wie der
t
o
  d

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